Die Gehilfen

Das große gesichtslose Monster ist nirgendwo und überall und hat es sich mit Ungerechtigkeit, Leistungsdruck und Konsumzwang schön bequem gemacht. Doch warum ist es so schwer, dagegen aufzutreten? Das Monster hat Gehilfen. Und wenn du deine eigenen Gehilfen haben willst, kommst du hier zum Bastelset.


   

"Ist-halt-so"

Zeichnung des Monstergehilfen "Ist-halt-so"
Zum Beispiel „Isthaltso“ - Wer kennt ihn nicht? Immer mal wieder stellen doch auch wir uns die Fragen, die so schwer zu beantworten sind. Warum die reichsten zehn Prozent der Menschen in Österreich mehr als zwei Drittel des gesamten Vermögens besitzen. Oder warum eigentlich Kinder, deren Eltern einen Hochschulabschluss haben zu fast achtzig Prozent Matura machen und dieser Wert bei Kindern von Eltern mit Pflichtschulabschluss nur bei 10 Prozent liegt. Genau: Das ist halt so. Und seit der frühesten Kindheit bekommt man eingeimpft: Das kann man nicht ändern, das ist eine natürliche Entwicklung, das braucht man gar nicht zu probieren. Falsch. Denn die Löhne von Männern und Frauen sind kein Naturgesetz. Die Wirtschaft und der Markt sind keine Götter, die nach Opfergaben irgendwelche Reaktionen zeigen. Unser Schulsystem ist kein steinernes Gebäude unter Denkmalschutz. All das sind Systeme, die wir als Menschen entwickelt haben und die wir deshalb auch selbst verändern können. Doch das Monster agiert schlau - Tag für Tag vermittelt es uns: „Das Ist-halt-so, das kann man nicht ändern“ So lange, bis wir es selbst glauben und gar nicht mehr versuchen.

   

"Muss-so-sein"

Zeichnung des Monstergehilfen "Muss-so-sein"
Ein weiterer Gehilfe ist „Muss so sein“ – ein etwas anderer Typ. Er macht uns klar, dass das System nur deshalb funktioniert, weil es so ist wie es ist. Und wir alle Vorteile nur deshalb haben, weil es anderswo Verlierer/innen gibt: Warum müssen Menschen auf der Welt verhungern, während anderswo Lebensmittel in Hülle und Fülle weggeworfen werden? Warum verdienen Kaffeebauern in Kolumbien oder die Arbeiter/innen in den Fabriken nur einen Bruchteil davon, was die Produkte im Geschäft kosten? Warum werden Milliarden Euro für Abfangjäger, Panzer oder Drohnen ausgegeben? Warum laufen weltweit hunderte Atomkraftwerke, die im Katastrophenfall irreparable Schäden anrichten können? Klar: Das muss so sein! Immerhin brauchen wir die Energie. Und wenn das Obst billig sein soll, muss halt jemand ausgebeutet werden, wenn der Europäische Markt geschützt werden soll, darf man keine Lebensmittel nach Afrika verschenken. So wird uns erzählt, dass wir uns damit abfinden müssen, dass es Ungerechtigkeit gibt, denn ohne sie wäre unser Leben nur halb so schön. Und auch das ist falsch. Eine gerechte Welt ist möglich. Viele Projekte zeigen, dass fairer Handel, erneuerbare Energien oder nachhaltige Lebensmittelpolitik möglich sind. Doch wer heutzutage von weltweiter Ernährung, Energiewende, fairem Handel oder einer Welt ohne Kriege spricht, wird als Träumer abgestempelt. Doch wenn wir alle etwas länger darüber nachdenken, dann wird uns klar, dass die Welt nicht so sein muss, nur weil uns das immer eingeredet wird. In vielen Epochen gab es Veränderungen auf der Welt, die vorher unvorstellbar waren. Vor 1918 war es in Österreich faktisch unvorstellbar, dass es ein freies, allgemeines Wahlrecht geben könnte. Vor 1989 hätte wohl kaum jemand in Europa geglaubt, dass es möglich sein würde, völlig frei durch den ganzen Kontinent zu reisen. Und doch haben sich die Dinge geändert. Weil die Welt durch uns gestaltbar ist und nichts so bleiben muss wie es ist, wenn es genügend Menschen gibt, die die Welt verändern wollen.

   

"Kauf-halt-was"

Zeichnung des Monstergehilfen "Kauf-halt-was"
Der dritte Gehilfe ist ein besonders perfider Zeitgenosse. Er liefert keine Antwort auf unsere offenen Fragen. Viel mehr bestimmt er, was wir uns im Leben so wünschen. Worauf wir hinarbeiten, was wir als Erfolg erachten. Sein Name ist „Kaufhaltwas“ und immer, wenn die Last der Ungerechtigkeit, der Druck der Arbeitswelt, die Unsicherheit, Angst und das Unbehagen mit der Welt größer wird, dann tritt er auf und zeigt uns, wofür wir das alles tun. Für ein größeres Auto, für einen neuen Computer, für einen tollen Urlaub. Er hält die Karotte vor unsere Nase, die uns im Hamsterrad immer weiter antreibt und er erzählt das besonders gerne unseren Kindern. Welche Hosen man tragen muss, welche Konsolen man haben muss, welche Handys man wollen muss. Und wenn man oft genug erzählt bekommt, dass es genau das ist, worum es im Leben geht, irgendwann beginnt man dann es zu glauben. Dass es glücklich macht, mehr Geld zu haben, mehr Dinge kaufen zu können, mehr Dinge zu besitzen. Und dass man dafür eben alles andere in Kauf nehmen muss: Die harte Arbeit, die wachsende Ungerechtigkeit und alles andere, was dieses System für uns bereithält. Dass es absolut verständlich ist, dass viele Menschen über Leichen gehen, um erfolgreich zu sein, denn schließlich sind Erfolg und Geld die entscheidenden und messbaren Faktoren für den wirtschaftlichen Menschen. Wer mehr Geld und Dinge hat, ist Sieger im Spiel, das wir Leben nennen. Und manchmal erwischt man sich dabei, wie man selbst auch daran glaubt. Dass man berufliche Ambitionen hat, weil es um finanzielle Verbesserung geht. Dass man sein eigenes Glück daran misst, ob man sich denn alles leisten kann, was man will. Oder dass man dem Konsumzwang nachgibt, weil man halt doch nicht den Mut oder die Kraft hat, dagegen anzukämpfen. Das alles ist er, der „Kaufhaltwas“, der immer wieder unseren Kopf ein kleines Stückchen verdreht, damit wir die Ungerechtigkeiten der Welt um eben dieses Stückchen aus den Augen verlieren.

Hampelmänner

Hier kannst du das PDF zum Ausdrucken downloaden. Dann einfach ausschneiden, den Anweisungen am Bastelbogen folgen und schon kannst du die Monstergehilfen zum Tanzen bringen.